Geschichte

Er war ein Kleinod unter den Münchner Theatersälen. Vor 85 Jahren erbaut war er ein Zentrum des Kulturlebens im Münchner Westen – nicht nur als Theatersaal…

Ein neuer Stadtteil entstand:
1875 bekam er von seinen Bewohnern aufgrund der nach obenhin verlängerten Schwanthalerstraße den Namen „Schwanthalerhöh´“.
Seit dem 01 Januar 1877 gehörten die Fluren der ehemaligen Sendlinger Haid´ zur Residenzstadt München. Im Zuge dieser Eingemeindung wurde der Haderer Weg in Westendstraße umbenannt und vom Bahnhof zur Theresienhöhe eine Pferdebahn eingerichtet.

Ab 1890 gab es das „Westend“ als selbständigen Stadtbezirk. Zum neuentstandenen 20. Münchner Bezirk kamen auch Grundstücke der Gemeinde Neuhausen, von den Bewohnern „Friedenheim“ genannt. Mit „Westend“ meinte man damals das westliche Ende der Stadt. Die ansässige Bevölkerung begriff sich jedoch, von der Theresienhöhe bis zur Ganghoferstraße, als „Schwanthalerhöher“, der westlichere, noch dünn besiedelte Teil wurde als „Westend“ bezeichnet. Dies war lange eine Bezeichnung, die lediglich auf Verwaltungsebene üblich war.

Ansicht Schrenkstraße 2 um 1883

Ansicht Schrenkstraße 2 um 1883

Die Betreuung der Kinder auf der „Schwanthalerhöh´“ wurde durch die rasche Zunahme der berufstätigen Bevölkerung ein wachsendes Problem. Die Bewohner waren in der Mehrzahl junge Menschen, die Anzahl der Kinder war sehr groß. Ende des 19. Jahrhunderts war die Geburtenrate auf der „Schwanthalerhöh´“ doppelt so hoch wie im Münchner Gesamtdurchschnitt. Der damals noch nicht verbreitete Gedanke, für die Kinder ein eigenes Haus zu bauen, in dem sie auch außerhalb der Schule Geborgenheit finden, wurde von der ansässigen Vinzenzkonferenz federführend aufgegriffen. Am 08. September 1882 wurde von ihr der Grundstein für die Kinderbewahranstalt und Kinderhort „Benediktusanstalt“ (heute Kinderhaus St. Benedikt, Schrenkstraße 2) gelegt.
Am 18. Juni 1883 war die Eröffnung und Überlassung der Kinderbetreuung an die Schwestern der Armen Franziskanerinnen von Mallersdorf. Zur Eröffnung warteten schon 200 Kinder auf die Aufnahme. Die Anzahl sollte sich in den nächsten Jahren noch verdreifachen.

Am 14. Juni 1895 gründete sich der „katholische Kirchenbauverein St. Rupertus“ mit dem Ziel, eine römisch-katholische Pfarrkirche im 20. Stadtbezirk zu errichten. Architekt Prof. Dr. Gabriel von Seidl plante den Neubau. Bereits am 23. Oktober 1903 wurde die Kirche dem gottesdienstlichen Gebrauch übergeben.

Die „Benediktusanstalt“ platzte damals aus allen Nähten. Um den vielen Kindern auch Platz zu Bewegungsspielen zu verschaffen, wurde 1900 an der Kazmairstraße 66 ein Grundstück zur Anlegung eines Spielplatzes erworben.
Als 1904 über 800 Kinder versorgt werden mussten, beschloss man in der Vinzenzkonferenz, dort eine neue „Kinderbewahranstalt“ entstehen zu lassen. Am 04. Juni 1906 wurde die neue „Anstalt“ feierlich eingeweiht. Auch hier konnte die Vinzenzkonferenz Schwestern der Armen Franziskanerinnen zu Mallersdorf für die Kinderbetreuung gewinnen. Das Haus füllte sich schnell und zählte bald über 400 Kinder, von denen viele Kinder armer Eltern unentgeltlich aufgenommen wurden.

Ansicht Kazmairstraße 66 um 1906

Ansicht Kazmairstraße 66 um 1906

Der Erweiterungsbau im Jahre 1929:
Dank einer gemeinsamen Finanzierung von Staat, Gemeinde, einer großen Zahl von Wohltätern, des Stadtpfarrers sowie der Vinzenzkonferenz, konnte die damals „modernste Heimstätte der Stadt für Kleinkinder von zwei bis sechs Jahren“ erweitert werden. Aufgrund des Anbaus ist dann im Jahr 1930 auch in der „Rupertusanstalt“, wie in der „Benediktusanstalt“ seit 1885 praktiziert, eine ambulante Krankenpflege eingerichtet worden. Im Untergeschoss des Anbaus befindet sich seitdem ein Festsaal mit Galerie und Bühne.

Anbau Kazmairstraße 66 um 1929

Anbau Kazmairstraße 66 um 1929

In den Kriegsjahren des ersten Weltkrieges gaben die Schwestern täglich über 600 warme Mahlzeiten an verarmte, hungernde Kinder aus.

In den Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges schickten die „Rupertler“ ihre Kinder trotz mancher NS-Schikanen in die „Anstalt“. Das Haus wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. September 1942 durch einen Brandbombenangriff teilweise zerstört. Nach der vollständigen Zerstörung der „Anstalt“ durch einen Bombenangriff am 25. Februar 1945 zogen die Schwestern in das Pfarrhaus von St. Rupert um. In dieser schrecklichen Zeit und in den schlimmen Nachkriegsjahren legten alle Schwestern gemeinsam mit den Vinzenzbrüdern eifrig Hand an, um zu retten, was zu retten war und Steine für den Wiederaufbau aus der Ruine zu gewinnen. Für die Weiterführung des Kindergarten- und Hortbetriebes sowie der ambulanten Krankenpflege nach Kriegsende wurde von der Vinzenzkonferenz nach langen Verhandlungen mit den Amerikanern eine ehemalige Wehrmachtsbaracke gekauft, von Pfadfindern antransportiert und innerhalb eines Jahrs im Garten des Hauses aufgestellt. Die Baracke diente bis zu 500 Kindern auf Jahre hin als Dach über dem Kopf. Sie sollte auch noch jahrzehntelang den verschiedenen Gruppierungen und Vereinen der Pfarrgemeinde St. Rupert „deren Heimat“ sein.

Wiederaufbau um 1947

Wiederaufbau um 1947

Kriegsschäden um 1947

Kriegsschäden um 1947

Der Wiederaufbau des Kindertagesheims brachte eine enorme Belastung für die ehrenamtlichen Mitglieder der Vinzenzkonferenz mit sich. Nur durch Darlehen von der Kirche und der Caritas konnte die finanzielle Last gestemmt werden. Spenden großzügiger Wohltäter konnten die Vinzenzkonferenz etwas entlasten. Die Hausruine wurde 1954 einschließlich des Saales zur Hälfte wieder hergestellt. Der Saal diente wieder zur Belebung des Vereinslebens. Im Kinderhaus gingen wieder 600 Kinder täglich ein und aus. Rund 200 Kinder erhielten dort eine Mittagsverpflegung.

 

 

Armenspeisung um 1930

Armenspeisung um 1930

Im Sommer 1969 ist der Theatersaal seiner letzten großen Renovierung unterzogen worden. Er erhielt einen neuen Farbanstrich und wurde mit neuen Beleuchtungs- Lautsprecher- und Entlüftungsanlagen ausgestattet.

Hoher Besuch sagte sich im Jahr 1977 an:
Der damals neugeweihte Erzbischof von München und Freising, Joseph Ratzinger, war zu seiner ersten Firmung im Bischofsamt nach St. Rupert gekommen. Aus diesem Anlass stattete er auch dem Kinderheim einen Besuch ab und ließ sich das Mittagessen im Kreis der Schwestern schmecken. 1979 kam der mittlerweile zum Kardinal kreierte Erzbischof Joseph Ratzinger erneut zur Firmung. Im Anschluss daran fand im Saal ein Stehempfang mit den Firmlingen, deren Eltern und Paten, der Geistlichkeit und den Schwestern statt.

Ansicht Kinderhaus um 1970

Ansicht Kinderhaus um 1970

Durch den Neubau des Pfarrheims im Jahr 1998 mit eigenem Veranstaltungsraum hatte unser Saal nach fast 70 Jahren für die Gemeindearbeit ausgedient. Es mussten neue Lösungen für eine weitere Nutzung gesucht und gefunden werden. Er diente unter anderem als Festsaal für Vereine, Firmen und Kulturgemeinden. Die „kleine Bühne München e.V.“ nutzte den Theatersaal 30 Jahre lang als Spielstätte. Als die brandschutz- und sicherheitstechnischen Auflagen der städtischen Behörden einen Weiterbetrieb des Saals in der bisherigen Form nicht mehr zuließen, wurde im Jahr 2008 dessen öffentliche Nutzung vollständig eingestellt. Zeitgleich übernahm der St. Vinzentius-Zentralverein München KdöR die Trägerschaft des Kinderhauses St. Rupert von der Vinzenzkonferenz.

… lesen Sie im Menüpunkt IDEE weiter.

User Login